Schmerz-Therapie

Artikel in der SZ vom 7.3.2015 über den Diskussionsabend der SPD zur Zukunft des Schwabinger Krankenhauses.

Geht es um das Schwabinger Krankenhaus, fühlen sich viele von den Verantwortlichen im Stich gelassen

Schwabing - Die ganz große Entrüstung brach sich nicht Bahn beim Diskussionsabend der SPD zur Zukunft des Schwabinger Krankenhauses. Gleichwohl machten fünf Dutzend Bürger sehr deutlich, dass sich die Schwabinger von der Stadtspitze, vom Aufsichtsrat und der Klinik-Geschäftsführung im Stich gelassen fühlen. Zwar wird nach jüngsten Ankündigungen das Krankenhaus in Schwabing nicht so stark geschrumpft wie noch vor Kurzem im Sanierungskonzept vorgesehen. Doch

Man will möglichst viele medizinische Angebote am Kölner Platz behalten

selbst die nunmehr vorgesehenen 415 Betten, die im Zuge des Ausbaus der Kinderklinik und durch die Rückkehr der zwischenzeitlich ausgelagerten Dermatologie bleiben werden, reichen vielen nicht. Worauf die Schwabinger SPD und die Bürger für unser Münchner Stadtklinikum spekulieren, wurde bei der von der SPD-Landtagsabgeordneten Ruth Waldmann moderierten Podiumsdiskussion offenkundig: So will man möglichst viele medizinische Angebote in den zum Teil denkmalgeschützten Gebäuden auf dem Areal am Kölner Platz behalten - selbst wenn sie nicht von der Klinikum GmbH, sondern von Kooperationspartnern angeboten werden. Interesse ist da. Christian Ullrich, Geriatrie-Chefarzt der Klinik des Diakoniewerks an der Heßstraße, würde liebend gerne den stadtweit nur 62 geriatrischen Reha-Betten in ganz München (plus 140 Akut-Betten) ein paar hinzufügen. Doch scheitere dies an der miserablen Bezahlung durch die Krankenkassen. Schwabinger Krankenhaus. Noch konkreter war das Interesse von Ernst Brinkmann, zuständig für den Fachbereich Gesundheit beim Bezirk Oberbayern. Er könnte sich einen Ausbau im psychiatrischen Bereich in Schwabing sehr gut vorstellen - etwa weil die einst in der Nähe ansässige Heckscher-Klinik füŸr Kinder-und Jugendpsychiatrie im neuen Giesinger Domizil bereits wieder aus allen Nähten platzt. Doch der Bezirk, der wohl auch das Geld hätte, kann nicht warten. Brinkmanns Warnung war unmissverständlich: "Wir stehen mit dem Rücken an der Wand." Dauere es zu lange, müsse man sich unter Umständen strategisch anders entscheiden.

Anwohner Walther Spaeth appellierte an die Politik, endlich die richtigen Prioritäten zu setzen. Wenn 400 Millionen Euro für die gesamte Kliniksanierung veranschlagt würden, entspreche dies der Summe, die man für einen zweiten Konzertsaal nenne. Die Erhaltung der Gesundheit aber müsse oberste Priorität haben, sagte er. Ein jährliches Defizit von 70 Millionen sei für die öffentliche Hand "ein Klacks". Den Vorwurf, es gehe nur ums "Kohle machen", wies SPD-Rathausfraktionschef Alexander Reissl scharf zurck. Zwischen einem Defizit von 70 Millionen pro Jahr und "Kohle machen" sei eben ein Unterschied. Und es müsse auch schon deshalb etwas geschehen, weil man zwar mit dem Münchner Klinikum ein Drittel des medizinischen Angebotes mache, aber nur mehr 20 Prozent Marktanteil habe. Susanne Diefenthal von der Klinik-Geschäftsführung sicherte zu, dass man bei der Notfallversorgung an allen Münchner Standorten keine Kompromisse machen werde: "Und da gehört auch ein Herzkatheter dazu."

Thomas Kronewiter

2015-03-07-SZ (PDF, 88 kB)

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